Ach, die Grünen… Windindustrie vertreibt Romantik (Braunschweiger Zeitung 14.2.17)

Zum Artikel „Die Landflucht und ihre Folgen“ vom 9. Februar: Den Ausführungen von Julia Emmrich über aussterbende Dörfer ist sicherlich nichts entgegenzusetzen, allenfalls etwas hinzuzufügen. Die Sehnsuchtsorte „Dorf“ und „Landleben“ verlieren zurzeit auch in attraktiven, durch Zuzug geprägten Regionen massiv an Romantik. Grund: die Windindustrie. Wer wird zum Beispiel noch nach Seershausen ziehen wollen, wenn in 1000 Metern Entfernung in westlicher Richtung elf gigantische Rotoren das Landschaftsbild massiv zerstören und die Geräuschkulisse eines laufenden Kühlschranks mit dem Wind in den Ort treiben? Gibt es keine Neubürger, braucht man auch nicht lange auf den Verfall der Grundstückspreise zu warten. Auch auf diese Weise kann man den ländlichen Raum herunterwirtschaften mit dem hehren Ziel, das Weltklima zu retten. Dieses Ziel sollte sicherlich nicht aus dem Blick geraten. Angesichts des – vorsichtig ausgedrückt – moderaten Engagements der anderen großen Industrieländer scheinen mir aber das Tempo und die Kriterien der Ausweisung von Vorranggebieten in der Südheide sehr übereilt und fragwürdig.

Jörg Zimmermann, Seershausen

Kommentar von Jürgen Bucksch (Gast) dazu:

Der Artikel schildert der Situation zutreffend. Es geht aber nicht nur um romantische Motive und um Gefühle, sondern knallhart ums Geld: Wir versuchen derzeit die Landflucht auf vielfältige Weise zu stoppen durch Bürgerbusse oder Imagekampagnen. Das gelingt uns! Wenn die Einwohnerzahlen jedoch durch den Ausbau der Windindustrie z..B. im Naturpark Holsteinische Schweiz wieder zurückgehen, steigen die Steuern und Gebühren für die verbleibenden Bürger. Zudem sinken die Schlüsselzuweisungen an die Gemeinden: Die Attraktivität der Gemeinden sinkt doppelt. Es ist nicht nur häßlich sondern auch teuer, in der Nähe von WKA zu wohnen. Auf diese Entwicklungen haben die Bewohner der Gemeinden keinen Einfluss: Eine Mitwírkung bleibt ihnen versagt, obwohl die Errichtung von 200-Meter-WKA die größte negative Veränderung z.B. in unserer Region ist. Heute (15.2.17) schwadroniert die Landesregierung Schleswig-Holstein in den Kieler Nachrichten damit, dass sie Google nach Schleswig-Holstein locken will, um den überschüssigen Windstrom zu verbrauchen, denn die Speicherung mache keinen Sinn. Ein grüner Chef der Staatskanzlei und Staatssekretär des Landes Schleswig-Holstein, der Volkswirt Thomas Losse-Müller1), hat Top-Manager von Google nach Schleswig-Holstein eingeladen, um seine ehrgeizigen Windausbaupläne als „Energiewende 4.0“ dem US-Besuch zu präsentieren. Mit angeblichen „Gerüchten“ über ein Google-Rechenzentrum in Schleswig-Holstein möchte er Wahlkampf machen: Der Konzern zeigt sich jedoch zugeknöpft. Ob die Schmalenseeer und Damsdorfer Bürger die Pläne des grünen Volkswirtes goutieren, ist zweifelhaft. Den Naturpark Holsteinische Schweiz für ein Google-Rechenzentrum zu opfern, werden sie bestenfalls als schlechten oder verfrühten April-Scherz realisieren. Ach, wo sind die basisdemokratischen Grünen geblieben? In der Staatskanzlei sitzen nur groteske Zerrbilder der einstigen Alternativen! Industrieansiedlung geht wirklich anders!

 1) Losse-Müller studierte Volkswirtschaft an der Universität zu Köln und der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London. Von 2000 bis 2004 arbeitete er im Risikomanagement der Deutschen Bank in London, anschließend zunächst bis 2008 und dann erneut von 2010 bis 2012 bei der Weltbank in Washington im Bereich Finanz- und Privatsektorentwicklung; zwischenzeitlich war er von 2008 bis 2010 für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit als Leiter des Programms Making Finance Work for Africa tätig -ein lupenreiner Demokrat oder ein knallharter Karrierepolitiker ? Welche Politiker wollen wir ? Darüber stimmen wir am 7. Mai 2017 ab!!!!