SHZ 18.8.16: Loose Windkraft : Windrad wächst trotz Baustopp

Ungeachtet der wiederholten Aufforderung zum Baustopp durch das zuständige Landesamt setzen die Betreiber die Arbeiten an Anlage 5 fort.

Die Arbeiten an der Windkraftanlage Nummer 5 auf dem Gelände des Windparks bei Loose schreiten voran, trotz des verhängten Baustopps durch das Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR, wir berichteten). Am gestrigen Mittag saß die Gondel auf dem Turm, gegen 19 Uhr waren die Rotorblätter angebracht.

Beim LLUR bestätigte man, dass der Baustopp für die Anlage 5 nach wie vor gilt. Man sei nicht erfreut über den Verstoß und werde nun alle verfügbaren rechtlichen Mittel einsetzen, erklärte Martin Schmidt, Pressesprecher des Amtes. „Unser Rechtsdezernent ist unter Hochdruck mit dem Fall beschäftigt. Er hatte sich gestern gegen Mittag mit den Windparkbetreibern getroffen und ein Zwangsgeld in Höhe von 10 000 Euro angedroht, falls weitergebaut würde.“ Da dies keine Wirkung gezeigt hatte, werde das Zwangsgeld nun festgesetzt. Zusätzlich werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Hier wie bereits beim Zwangsgeld werde sich die Höhe der Strafe nach der Größe des Projektes richten. Eine voraussichtliche Summe konnte Schmidt nicht nennen. „Wir müssen bei der Höhe der Strafen einen Weg finden zwischen Spürbarkeit für die Betreiber und wirtschaftlicher Verhältnismäßigkeit.“ Ein Abbau der Anlage komme demnach voraussichtlich nicht in Frage. Schmidt: „Die Betreiber stehen vermutlich unter wirtschaftlichem Druck und nehmen das Risiko der Abstrafung offenbar in Kauf.“

Parallel werde mit dem zuständigen Bauamt weiterhin die Tatsache besprochen, dass das Fundament um gut einen Meter vom genehmigten Standort abweiche. Hier werde man wohl bald eine Lösung finden, so Schmidt.

Die Bürger von Loose, die sich gestern dazu äußerten, sind wenig angetan vom Verhalten der Windpark-Betreiber. Brigitte Lott (68), die gerade von Loose nach Gammelby zieht, meint: „Das Wichtigste, was ich aus all dem gelernt habe: Der Bürger kann praktisch nicht mitbestimmen. Die Betreiber nehmen die Strafe in Kauf und bauen einfach weiter. Ein normaler Bürger dürfte sich das nicht erlauben.“ Andre Struck (43) ist zurzeit als Bauarbeiter in Loose beschäftigt. „Wer das bauen lässt“, sagt er, „muss einen guten Anwalt haben. Man hätte mit dem Bau auf das Okay vom Amt warten müssen. Dass man trotz Baustopps weiterbaut, ist nicht in Ordnung. Ich finde, die Anlage sollte wieder abgebaut werden müssen.“

Weder von den Betreibern noch von der Baufirma war gestern eine Stellungnahme zu erhalten.

SHZ 17.8.16: Rendswühren : Gemeindevertreter fordern den Verzicht auf Windkraft

Rendswühren | Die Rendswührener wollen die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde erhalten. Deswegen hat sich die Gemeindevertretung vorgestern Abend gegen eine Ausweisung von Windeignungsflächen ausgesprochen.

Die Liste der Abwägungskriterien für die Stellungnahmen zu den aktuellen Regionalplänen des Landes für die Ausweisung von Eignungsflächen für die Windenergie ist lang. Viele der Kriterien überschneiden sich. Die Übersicht zu behalten, ist keineswegs einfach, weiß Rendswührens Bürgermeister Dr. Thomas Bahr. Landschaftsplaner Enno Meier-Schomburg bestätigte das. Er hat die Stellungnahme der Gemeinde zur Windkraftplanung in Rendswühren ausgearbeitet und am Montag während der Gemeindevertretersitzung auf Hof Viehbrook vorgestellt.

„Planung möchte eigentlich einfach und verständlich sein, ist sie aber nicht“, meinte der Landschaftsplaner. Deswegen gab es nach einer intensiven Vorstellung der Abwägungskriterien, die von Greif- und Großvogelschutz für Seeadler, Schwarzstörche oder Milan und Weißstorch bis zum Uhu, Lärmschutz, Wetterradar oder Sichtachsen reichen, eine Zusammenfassung für die Rendswührener. Dort heißt es: „Die Gemeinde Rendswühren hat sich intensiv mit der Ausweisung möglicher Eignungsgebiete für die Windenergienutzung und den von der Landesplanung empfohlenen Kriterien beschäftigt. Nach der landschaftsplanerischen Analyse unter den Gliederungspunkten der Siedlungsstruktur, einer potenziellen Umzingelung, dem Biotopverbund, vorhandener Ökokontoflächen, der potenziellen Beeinträchtigungsbereiche um Horste geschützter Großvogelarten und dem Erhalt unzerschnittener landschaftlicher Freiräume sowie einem intensiven Abwägungsprozess wird festgestellt, dass die Gemeinde Rendswühren durch die vorgesehenen Vorranggebiete für Windkraft unter der Prüfung der ,Kriterien für den weiteren Abwägungsprozess‘ mehrfach erheblich belastet ist und dadurch in ihrer weiteren Entwicklung eingeschränkt wird.“

„Ein wichtiges Kriterium bleibt das Wetterradar in Boostedt“, erklärte Landschaftsplaner Enno Meier-Schomburg. Das empfindliche Radarsystem könnte durch nzu hohe Windkrafträder gestört werden.

BILD 4.8.16: Energie | 3000 Gigawattstunden Alternativstrom abgeregelt

Kiel (dpa/lno) – In Schleswig-Holstein sind 2015 knapp 3000 Gigawattstunden aus erneuerbaren Energien wegen drohender Überlastungen im Stromleitungsnetz nicht produziert worden. 2014 waren «nur» knapp 1100 Gigawattsstunden abgeregelt worden, wie aus einem gemeinsamen Bericht des Energiewendeministeriums und der Netzbetreiber Tennet und Schleswig-Holstein Netz AG hervorgeht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Für Minister Robert Habeck (Grüne) ist der Anstieg ärgerlich. «Strom aus Erneuerbaren Energien abzuschalten statt ihn zu nutzen, ist absurd. Zumal wenn Kohle- und Atomstrom weiter fließen und die Netze verstopfen.»

Wenn Strom aus Erneuerbaren Energien wegen Engpässen nicht abgenommen werden kann, wird beispielsweise die Leistung der Windkraftanlagen phasenweise von 100 auf 80 Prozent gedrosselt, wie die Leiterin der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbands Windenergie (BWE SH), Nicole Knudsen, sagte.

Angesichts des zügigen Netzausbaus in Schleswig-Holstein erwarten die Netzbetreiber ab 2017 zumindest phasenweise eine Entspannung.

SWR 1.8.16 Unionsfraktionsvize Fuchs: Windkraftlobby setzt wirtschaftliche Interessen brutal durch ARD-Feature „Der Kampf um die Windräder“ zeigt, wie EEG-Novelle abgeschwächt wurde 1.8., 21:45 Uhr im Ersten

Mainz. Die Windkraft-Lobby hat sich beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nach Recherchen für das ARD-Feature „Exclusiv im Ersten: Der Kampf um die Windräder“ (01.08.2016, 21:45 Uhr, Das Erste) in mehreren Punkten im Gesetzgebungsverfahren durchsetzen können und einen stärkeren Ausbau von Windkraft an Land erreicht als ursprünglich von der Bundesregierung geplant. Das berichten die Autoren des Features unter Berufung auf vertrauliche Papiere aus dem Gesetzgebungsverfahren. Dabei handelt es sich um Beschlussvorschläge des Bundes sowie Vorlagen zu Sitzungen der Chefs der Staats- und Senatskanzleien. Sie legen nahe, dass vor allem die Bundesländer der Windlobby geholfen haben, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.

shz 28.7.16: Fast nur Verlierer

Der anhaltende Hype um die Windenergie kennt eigentlich fast nur Verlierer. Setzen sich die Gegner durch, sind die Landeigentümer sauer. Unterliegen die Gegner, bekommen sie die Anlagen vor die Nase gesetzt. Grundstückseignern geht es kaum besser: Gewinnen sie, sind sie bei allen anderen im Dorf die Bösen. Verlieren sie, geht es um viel Geld. Verlierer sind ohnehin schon alle Stromkunden, die das Investitions-Spektakel bezahlen müssen.

Natürlich gibt es immer auch Gewinner. Im Zweifel sind das Baufirmen, Banken und Windradhersteller. Je nachdem natürlich auch auswärtige Investoren. Da gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Ausbau muss so maß- und rücksichtsvoll wie nur irgend möglich erfolgen. Gleichzeitig ist Transparenz oberstes Gebot. Und möglichst viele Menschen müssen von den Gewinnen profitieren.

Stromauskunft 27.7.15: TV-Tipp: „Der Kampf um die Windräder“

Die Windkraft ist momentan wohl eines der emotionalsten Streitthemen in Deutschland: politisch forciert und subventioniert, verbunden mit weitreichenden ökonomischen und ökologischen Erwartungen – und zugleich mit großen Ängsten besetzt. Für die einen bedeutet Windkraft saubere Energie, die Atomkraft und Kohle ersetzen und unser Klima retten soll, für die anderen ist sie vor allem die profitorientierte Zerstörung von Naturlandschaften. Die TV-Dokumentation „Der Kampf um die Windräder – Die Auswüchse der Boombranche“ beleuchtet das Thema am 1. August 2016 um 21:45 Uhr in der ARD.

WamS 26.7.16: Sturm auf die Windräder

Nach Jahren des Chaos versucht die Bundesregierung, der Energiewende einen Plan zu verpassen. Aber dort, wo der größte Rückhalt nötig wäre, wächst der heftigste Widerstand: Auf dem Land werden Kommunen entmündigt, die Bürgerbeteiligung erweist sich als Farce

Volker Tschischke ist gerade von einer längeren Dienstreise zurück, als die Revolution sein Wohnzimmer erreicht. Irgendetwas ist anders, hat er eben noch gedacht. Nun steht Tschischke am Fenster, sieht über den Dachgiebeln der Nachbarhäuser zwei riesige Windräder und ist einen Moment lang unsicher, ob die neu sind oder er sie bisher bloß nicht bemerkt hat.

Presseticker des Landtages 06.07.2016 – CDU: Regierungsfraktionen lehnen Dialog mit den Menschen über Mindestabstand von Windkraftanlagen ab

Daniel Günther: Regierungsfraktionen lehnen Dialog mit den Menschen über Mindestabstand von Windkraftanlagen ab

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Daniel Günther, hat die heutige (6. Juni 2016) Ablehnung einer parlamentarischen Anhörung zum Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebieten durch SPD, Grüne und SSW scharf kritisiert:

,,Das ist ein katastrophales Signal an die Menschen im Land. Schon mit dem neuen Abstandserlass hat Ministerpräsident Albig sein Versprechen gebrochen, über die Mindestabstände zu sprechen. Nun lässt er durch SPD, Grüne und SSW eine parlamentarische Anhörung verhindern. Das wird die schwierigen Diskussionen vor Ort zusätzlich befeuern“, sagte Günther in Kiel.

Überall im Land nehme die Akzeptanz von Windkraftanlagen ab. Die von Minister Habeck in den Regionen abgehaltenen Informationsveranstaltungen seien spätestens nach der heutigen Ablehnung einer Anhörung als reine Alibiveranstaltungen entlarvt worden.

,,Die Menschen haben längst erkannt, dass dieser Pseudodialog sie nur so lange beruhigen soll, bis die Gesetze verabschiedet sind. SPD, Grüne und SSW ziehen ihren Kurs knallhart durch“, so Günther.